Gabriel Heimler
 
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Genesis-Zyklus



Im Zentrum des »Genesis-Zyklus« stehen zwölf Doppelgemälde, woraus sich insgesamt 24 Ansichten ergeben. Diese Zahl symbolisiert die Stunden eines Tages. Der Tag ist das Maß, auf dem die Schöpfungsgeschichte basiert.

Die zwölf zentralen, in Acryl gemalten Gemälde können wie eine Filmrolle eingerollt werden (24 Bilder pro Sekunde). Die Form bezieht sich jedoch ebenfalls auf die Thorarollen. Jede Rolle kann unabhängig vom gesamten Zyklus gelesen werden, wie auch jedes Individuum eine ganz persönliche Vision in Bezug auf die Gesellschaft hat. Die Gesamtheit des Zyklus folgt in Art eines Kurzfilms oder eines Comics aufeinander. Es handelt sich um »konkret narrative« Sequenzen, die ebenso auf der Genesis basieren wie auch auf Literatur und jüdischer Geschichte der Gegenwart, Mythos und Realität miteinander verbindend.


 















Katalogtext


Wann hat man den Punkt erreicht, an dem der Garten Eden definitiv hinter einem liegt? In der Genesis, der biblischen Schöpfungsgeschichte, sucht sich das menschliche Bewusstsein einen erzählerisch widerspiegelnden Ausdruck dafür, dass die Welt nicht allein aus sich selbst heraus existieren könne. Die Entstehung der Welt wird darin als ein Werk begreifbar, das implizit auf die Frage nach Herkunft und Sinn der menschlichen Existenz eine Antwort geben kann. Im Nachvollzug der narrativen Planhaftigkeit der Schöpfungsgeschichte in der anthropomorphen Ausgestaltung der uns bekannten Episoden von Absicht und durchkreuzter Absicht, von Grenzüberschreitung und Krise, die jeder einzelne Mensch in seinem eigenen Leben immer wieder erfährt und verhandelt, liegt eine Kraft, die eigene Alltagserfahrung einer transzendierenden Interpretation zu öffnen, ohne dabei doch die vermittelnde Perspektive des biblischen Erzählers der Genesis selbst wieder ganz einnehmen zu können.


Gabriel Heimler ist ein darstellender Erzähler mit staunendem Blick. Er interpretiert nicht, sondern spielt mit wiederkehrenden Assoziationen und Motiven, die sich immer wieder verwandeln. Seiner zeitlosen Perspektive sind eine Reinheit des Ursprungs und die Korruption seiner Aktualisierung ganz gleich. Was ist gut oder böse, gemessen an der faktischen Kraft dessen, was einfach ins Werk gesetzt wird und wie ein grausam humorvoller Film vor seinen Betrachtern vorüberzieht? Wasser erscheint als Element des Lebens meistens blutrot. Die tätowierte Stigmatisierung verwandelt sich jäh in eine vermeintlich selbst gewählte hedonistische Strategie der semantischen Aufladung des eigenen Körpers.

In der Faszination des dezentrierenden Vexierspiels möchte man sich verlieren. Doch dadurch eröffnet sich auch der Wunsch, sich dem Dargestellten mit neuen Fragen zu nähern: Zu welchem Mittel können Eltern greifen, wenn die schon aufgestellte Wiege leer bleibt? Wie weit und zu welchem Ziel lässt sich die menschliche Gesellschaft kommunikativ vernetzen und verbinden? Was reflektiert ein sorgsam ausgeschildertes Verbot schon anderes als die bereits vorhergesehene Möglichkeit seiner Übertretung? Wer rettet sich auf Deck, wer treibt im Wasser? Sollte es eigentlich überraschen, auch die Schlange als Passagier an Bord der rettenden Arche wiederzutreffen?

Heimlers Welt wird von menschlichen Akteuren bevölkert und gestaltet, die schon, für sich selbst unbegreiflich, gemacht und damit vorhanden sind. Er zeigt keine lehrreiche Parabel, keinen aufsteigenden Prozess der allmählichen disziplinierenden Zurichtung oder auch nur Orientierung. Es geht in diesen Bildern nicht um die Suche nach der Sakralität, sondern um eine bildliche Lektüre der schriftlichen Überlieferung. Wir, so möchte man diese Bilder verstehen, erfinden die Genesis mit unserem Leben immer wieder neu und sind damit zugleich Abbild und Akteure eines zeitlosen Schöpfungsaktes.

Jan-Hendrik Wulf